Die älteste U-Bahn Europas (also, fast)

Die älteste U-Bahn Europas (also, fast)

Am 2. Mai 1896, also vor 130 Jahren, wurde die erste U-Bahn des Kontinents eröffnet (nur die in London ist älter); eigentlich eine unterirdische Straßenbahn entlang der Budapester Prachtstraße Andrássy ut, die man nicht mit Schienen und Oberleitung verunstalten wollte. Gebaut wurde sie anlässlich der Millenniumsausstellung im Stadtwäldchen, eine Art Miniweltausstellung zum tausendjährigen Bestehen Ungarns: Ein Feuerwerk aus Architekturversatzstücken, inspiriert von Bauwerken in ganz Ungarn. Ursprünglich war sogar eine Weltausstellung angedacht gewesen, nun zeigte eine Landesausstellung Geschichte und Gegenwart, mit ethnografischen Exponaten, nachgebauten Bauernhäusern aus dem ganzen Land und einer Leistungsschau der Industrie. In dieser goldenen Epoche der Stadt veränderte ein gründerzeitlicher Bauboom die Stadt, ab 1890 durch die bevorstehenden Feierlichkeiten nochmals befeuert, und die Andrássy war die prachtvolle Hauptachse von Pest, das zwanzig Jahre vorher mit Buda vereinigt worden war.

Ihr voller Name lautet Millenniumi Földalatti Vasút – Millenium ist klar, föld bedeutet Erde, alatt unter, Vasút bedeutet Bahn, das Ungarische bietet keine Anhaltspunkte für intuitive Übersetzungen. Weltweit erkennbare Worte wie Restaurant, Tramway oder Polizei übersetzt man mit étterem, villamos oder rendörség, diese Abgrenzung zu jeder anderen europäischen Sprache führt auch zu einer gewissen Bunkermentalität des ungarischen Volkes.

Aber zurück zur kleinen U-Bahn: Nach der 1000-Jahr-Feier pendelte sie weiterhin unspektakulär zwischen dem Zentrum und dem Stadtwäldchen, unbeeindruckt von allen politischen Systemwechseln in der Stadt darüber, Erweiterungspläne zerschlugen sich. Nur die Station Deák Ferenc tér wurde ein wenig verlegt, im alten Teil das Metromuseum eingerichtet, und 1973 wurde sie um eine Station zum  Mexikói út verlängert – hier kann man den Baustil des „Sozialistischen Klassizismus“ bewundern.

In den 1980ern war der Kommunismus ebenso am Ende wie die kleine U-Bahn, in die jahrzehntelang nur wenig investiert worden war, eine Sanierung wurde begonnen, aber 1988 aus Geldmangel abgebrochen. Erst nach dem Umsturz konnte die Stadtverwaltung das Projekt fortsetzen, und 1995 wurde sie endlich aufwendig und originalgetreu renoviert. Heute ist sie mit der darüber liegenden Straße UNESCO-Weltkulturerbe und ist eine Budapester Sehenswürdigkeit geworden.