Auf der Kunstmesse in einem eleganten Innenstadtpalais schaue ich in große Mädchenaugen. Sie gehören zu einer ägyptischen Totenmaske, und sollte man sich in den Blick verlieben, ist die Dame käuflich: um 40.000 € wird sie zur Mitbewohnerin.



In den staatlichen Museen wären historische Exponate zum Anfassen und Mitnehmen undenkbar. Es ist nicht allzu bekannt, dass es Handel mit Antiquitäten jenseits von Omas Biedermeierschränkchen gibt. Die ersten großen Antikensammlungen waren aber privat, und in Österreich sind viele Kunstgegenstände aus archäologischen Grabungen in den Vitrinen des Großbürgertums gelandet. Von den Barbaren des „Tausendjährigen Reichs“ wurde die intellektuelle Klasse Wiens praktisch ausgerottet, damit verschwand nicht nur Talent, Können und Wissen: Die wertvollen Kunstsammlungen wurden von den Nazis gestohlen oder nur knapp ins Ausland gerettet. Vor dem Krieg war Österreich führend im Antikenhandel; dann ging diese Tradition verloren.

Christoph Bacher war Chefredakteur einer großen Wochenzeitung, bevor er sich vor zehn Jahren mit einem kleinen Geschäft am Ring selbstständig gemacht hat. Er will an die große Tradition anschließen, der Erfolg hat sogar ihn überrascht, inzwischen gehört er zu den Top Ten der internationalen Händlerszene. In seinem Schauraum stehen Tafeln mit Hieroglyphen oder römische Statuen – aber auch Schmuck aus der Bronzezeit, ein echter Meteorit oder eine Kannibalengabel. Dabei geht hier nichts ohne sorgfältige Dokumentation: Der Markt ist gesetzlich klar geregelt, dubiose Angebote lehnt Bacher strikt ab. Aber gehören solche Gegenstände nicht eigentlich ins Museum? „Die Museumsdepots platzen aus allen Nähten, die Öffentlichkeit bekommt vieles nie zu sehen. Der private Antikenmarkt kann dabei sogar Lücken in der Forschung schließen“. Sein Lieblingsbeispiel dafür: Ein Relief, das bewiesen hat, dass Tutanchamun Echnatons Sohn war. „Irgendwann werden auch spektakuläre Privatsammlungen an Menschen vererbt, denen Geld wichtiger als Kunst ist – das sind dann die Sternstunden für uns Kunsthändler!“
Die Website von Christoph Bacher:
https://www.cb-gallery.com/
Noch bis 6.April: „Noble Begierden“, eine fantastische Ausstellung zur Entwicklung des Kunstmarkts im Palais Liechtenstein – Eintritt frei!
https://www.palaisliechtenstein.com/de/besuch/noble-begierden.html


